Brandenburgs stille Wasserwege: Paddeln abseits der Seen
Die großen Seen im Süden Brandenburgs sind an Sommerwochenenden voll. Motorboote, Ausflugsdampfer und hunderte Paddler teilen sich dieselben Rinnen, an den Schleusen bilden sich Warteschlangen. Wer Ruhe sucht, muss nicht weit fahren, sondern nur die Richtung wechseln. Nördlich und östlich der bekannten Reviere liegen kleinere Flüsse und Kanäle, die kaum jemand befährt. Das Wasser ist dort flach, die Strömung schwach, die Ufer dicht bewachsen. Genau das macht sie interessant.
Ein gutes Beispiel ist die kleine Spree zwischen Cottbus und dem Spreewald. Sie windet sich durch Wiesen, vorbei an alten Mühlen und Dörfern mit Kopfsteinpflaster, in denen der letzte Laden um sechs schließt. Wer sich auf dieses Revier vorbereiten will, findet bei den praktischen Hinweisen von spreewald-live.de Kartenmaterial, Einkehrstationen und Angaben zu Wassertiefen. Die Strecke verlangt keine besondere Technik, aber Aufmerksamkeit: umgestürzte Bäume und flache Sandbänke tauchen ohne Vorwarnung auf. Ein Zugang zum Wasser ist an mehreren Brücken möglich, das Einsetzen dauert keine fünf Minuten.
Weiter nördlich lohnt sich der Rhin, ein Flüsschen, das zwischen Neuruppin und der Havel durch sumpfiges Weideland fließt. Hier begegnet man an einem ganzen Tag vielleicht zwei anderen Booten. Reiher stehen am Rand, Fischotter hinterlassen ihre Spuren an den Uferböschungen. Wer im Frühjahr unterwegs ist, sollte mit Hochwasser rechnen und die Pegelstände prüfen. Im Hochsommer hingegen kann der Wasserstand so niedrig fallen, dass einzelne Abschnitte nur noch geschoben werden können. Beides ist machbar, aber es verändert die Tagesplanung erheblich.
Solche Touren verlangen mehr Vorbereitung als ein Nachmittag auf dem Schwielochsee. Ein Faltboot oder ein leichter Einer passt besser als ein schwerer Zweier mit Gepäck. Zeltplätze gibt es selten, dafür erlauben einige Gemeinden das Übernachten auf ausgewiesenen Wiesen. Wer sich darauf einlässt, bekommt ein Brandenburg, das viele nicht kennen: leise, langsam, ohne Motorengeräusch. Die Rückkehr an den Ausgangspunkt organisiert man am besten mit dem Zug, denn die Regionalbahnen nehmen Kanus in vielen Fällen mit.